A Shocking Message

Eine persönliche „shocking message“ (zu deutsch: Schockierende Mitteilung) erlebte ich auf diese Weise:

Als 16 jähriger bis dahin fleißiger Kirchengänger entschloß ich mich regelmäßig die Bibel zu lesen: Die Erfahrungen waren überaus grausam! Um es kurz auszudrücken: Ich war entsetzt! Bei allen Lebensereignissen war doch kaum eines so aufrüttelnd wie die Begegnung mit dem Wort Gottes! Einige Eindrücke, und Fragen die bei mir aufkamen:

  • „Habe ich noch nie gehört!“ Wow, so viele Sachen wurden ja nicht ein einziges Mal in der Predigt erwähnt: Ich habe z.B. überaus gestaunt, wie versaut die Gemeinde der Korinther war. Und diese Leute nannte Paulus trotzdem Brüder? Wahnsinn, dabei schienen es recht seltsame streitsüchtige Hobbypfingstler gewesen zu sein. Menschen, die man üblicherweise als Irrlehrer links (heute wohl eher rechts) liegen lässt. Ganz ehrlich gesagt, über die kleinen Propheten hört man auch heute wenig und ich selbst bin da auch kein gutes Beispiel.
  • „Das Evangelium soll für den Christen da sein?“ Ich habe erwartet, dass Jesus, aber auch die Propehten deutlicher zwischen Nachfolgern und „Nichtnachfolgern“ unterscheiden würden. Aber alle schrieben so viel vom Evangelium, als würden selbst erfahrene Jünger, es zum ersten mal hören. Es war z.B. klar, dass die Briefe der Apostel an Gemeinden geschrieben sind, trotzdem erzählten sie teilweise sehr weitschweifig und oftmals von den Grundlagen auf das Evangelium. Braucht den ein Geretteter noch das Evangelium? Das war für mich etwas neues und unklares, auch ein Punkt, den ich viele Jahre nicht so recht verstand (und auch heute noch stück für stück neu lerne)
  • AT und NT sind sehr nah beieinander! Ich hätte eine deutlich größere Diskrepanz (obwohl das Buch der Richter schon sehr extravagant klang) zwischen AT und NT erwartet, angetroffen hat man eher einen sehr fließenden Übergang (ich meine, die ersten Christen haben ein dutzend Jahre darauf gewartet, bis sie bereit waren den Heiden das Evangelium zu erzählen…)
  • „Bin ich überhaupt unter Christen?“ Es viel schmerzlich auf, dass selbst unsere deutlich konservative evangelikale Liturgie nicht wirklich viel mit der des Neuen Testamentes zu tun hatte: Die Christen trafen sich täglich, sehr häufig (offensichtlich einmal die Woche) wurde Abendmahl gefeiert, man hatte einen sehr originellen Umgang mit Geld (zumindest Lokal). Es entstanden damals viele Fragen darüber, in wie weit die Urgemeinden überhaupt als Prototyp für Gottesdienstgestaltung geeignet sind. Die meisten Beschreibungen waren eher Indizien, weniger Anweisungen.
  • „Bin ich überhaupt Christ?“ Der Apostel Johannes schrieb davon, dass die Christen Gott lieben und ihre Brüder. Das war ein Abgrund: Mir wurde schmerzlich klar, dass schon die Aussage, weil ich Christ bin, strenge ich mich an Gott zu lieben, einen Wurm beinhaltet: Zwingen jemanden zu lieben kann man sich kaum, denn da steht man selbst an erster Stelle. Das schien mir ein unfassbares Hindernis zu sein. Von allen Schriften meiner ersten Runde durch die Bibel konnte ich mit den Schriften des Apostel Johannes wenig anfangen. Sie klagten mich ungemein an oder waren total unverständlich
  • „Kaum Fixierung auf DEN einen Augenblick DER Entscheidung“ Das habe ich ungemein vermisst, Texte über Bekehrungen, Zurufe. Die verschiedenen evangelistischen Predigten von Paulus und Petrus in der Apostelgeschichte wirkten ungemein blass. Ich hoffte sehr eine Stelle zu finden, die einen Altarruf deutlich machen würde und die Entscheidung für Christus klar macht, stattdessen wurde sehr statisch zwischen Gläubigen und Ungläubigen, Volk Gottes und Heiden, Geretteten und Feinden unterschieden. Statt eines Augenblicks ein ganzes Leben. Das irritierte, gab aber auch irgendwie auf eine mir damals unklare oder schwer zu beschreibende Weise sehr viel Kraft!
  • „Hilflosigkeit des Menschen“ Es war natürlich wieder Johannes (man muss hier hinzufügen, dass mein geistlicher Vater vor allem immer vom Johannes-evangelium angetan war, was das Dilemma verschärfte) der mit der Erzählung über die Begegnung von Jesus mit Nikodemus mich ganz schön vor den Kopf stieß: Ich meine Nebukadnezer will eigentlich was lernen, aber Jesus erzählt ihm was von Wiedergeburt, also von etwas, was er eh nicht verstehen kann, denn das könne eh nur einer wissen, der vom Himmel kommt, und ergreifen kann man es genauso wie den Wind, von dem man nur wisse von wo er weht und wohin er geht. Wow, Nikodemus kam mir ganz schön hilflos vor! Überhaupt wurde mir ein unfassbares Elend des Menschen an ganz vielen Stellen der Schrift deutlich. Nehmen wir z.B. das Gleichnis vom vierfältigen Acker. Als ich dieses Gleichnis zum ersten mal las, war ich entsetzt: Mir war klar, dass wenn ein Zuhörer eher vom „Typ Weg“ ist, er das nicht merken würde, dass er vom „Typ Weg“ ist, denn um das zu merken, müsste das Wort ja bereits Frucht tragen, aber es kann ja kein Frucht tragen, wenn es nicht eindringt, wodurch er bereits aufhören würde, vom „Typ Weg“ zu sein. Und das schlimmste: Er könnte sogar denken, dass er gar nicht vom „Typ Weg“ ist, und eigentlich eher „fruchtbarer Ackerboden“! Nun ja, die tatsächlichen Zuhörer zur Zeit Jesu waren mir da recht egal, aber was ist, wenn genau das auf mich zutraf? Diese beiden Begebenheiten sind exemplarisch für eine zentrale Botschaft der Schrift: „Gott erbarmt sich der Hoffnungslosen!“ Nur wie kann ich hoffnungslos werden, denn selbst wenn ich das weiß, dass sich Gott der Hoffnungslosen erbarmt, und ich mir vornehme hoffnungslos zu werden, steht schon mein eigenes Bemühen darum, und ich nutze etwas als Mittel, was ein Ziel sein soll. –> Das machte mich (Gott sei dank!) hoffnungslos! –> es muss jemand von außen eingreifen, aber wie erwirke ich mir seine Gunst? Wird er mich hören, wenn ich rufe?
  • Gott ist unfassbar gewaltig! Neben dieser Linie der Hilflosigkeit des Menschen eines  entwickelte sich die Zweite der Herrlichkeit Gottes. Ich verstand nicht viel von den Tieren und Rädern bei Hesekiel  (kaum mehr ist es heute), aber recht deutlich war das: Die heiligsten Männer mühten sich dabei ab, die Herrlichkeit Gottes zu erfassen! Schon hiermit waren Sie ordentlich beschäftigt! Wenn schon seine Herrlichkeit kaum ergründlich ist, war es kein Wunder, dass man Gott selbst nicht sehen konnte! Als ich zum zweiten Buch Mose kam und vom Wunsch Moses las, war ich so gefesselt, dass ich unbedingt weiterlesen wollte, ob sich denn sein Wunsch erfüllte. Aber er konnte nur die Herrlichkeit unter den Füßen Gottes sehen! Mehr war/ist für einen Menschen nicht drin! –>Damals erkannte ich an dieser Stelle nicht den Sprung zur Offenbarung Gottes in Jesus: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. “ (Joh 1,14)
  • In Christus die Mitte: Damals nur wage aber doch etwas verstanden (vor allem durch „Wer zu mir kommt, denn werde ich nicht von mir stoßen“), dass die zwei Punkte der Herrlichkeit Gottes und der Hilflosigkeit des Menschen nur durch den Mittler Jesus gelöst werden können. Deswegen haben die recht, die verkündigen, dass Christus die Mitte der Schrift sei!

Fazit:

  • das Ziel der Schrift ist die Verherrlichung Jesu Christi.
  • Wer sich auf die Bibel einlässt fängt ein unfassbares Abenteuer an!
  • Die Bibel konfrontiert, schlägt, läutert, prügelt ein, tadelt, ermahnt und haut den alten Adam in zwei, gleichzeitig tröstet sie, verbindet, gibt Hoffnung und festen Halt.

P.S.: So wie manch eine meiner Überschriften ist auch diese nur ein Köder, hier entlang geht es zur Shoking Message von Paul Washer.

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